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17.08.2026

Du bist willkommen - ganz egal, wer Du bist

„Geh einfach rein nach links und oben, den Rest erklärt Dir jemand!“ sagte jemand freundlich zu mir, als ich Punkt 10 Uhr vor der Tür von Hanseatic Help e.V. stand, der wohl größten Kleiderspenden-Organisation, die es in Hamburg gibt.

Einmal pro Jahr können alle Mitarbeitenden der Deutschen Niederlassung der Société Générale Insurance einen Sozialtag wahrnehmen: Dann arbeiten wir ehrenamtlich und tun etwas für die Gesellschaft – womit das Unternehmen soziales Engagement nachhaltig fördert.

Hanseatic Help e.V. gibt es schon seit 2015 – es begann mit Kleiderspenden nach der bekannten Parole „Wir schaffen das“ und hat sich bis heute zu einer zentralen humanitären Hilfsorganisation entwickelt, die von Hunderten Freiwilligen lebt.

Und wie verlief mein Arbeitstag?

In der 2600 qm großen Halle fand ich mich sofort zurecht. Dank Jürgen. Als langjähriger Ehrenamtler zeigte er mir alle Bereiche und die Posten, wo ich arbeiten konnte. Motto: Einfach machen. Wer gerade neben Dir sortiert oder verpackt, hilft weiter. Und sonst gibt es Wegweiser und Tipps: z.B.  dass Kinder-Turnschuhe mit Blinkis nicht mehr angenommen werden und dass in der Halle mit den Gabelstaplern feste Schuhe Vorschrift sind. Großartig auch: Jeder kann sich Getränke, Frühstück und Mittagessen gratis nehmen. Auch dafür kommen Spenden an!

Würdest Du das Deiner besten Freundin schenken?

Nachdem ich meinen Namen auf einen Krepp-Streifen geschrieben und ans T-Shirt geklebt hatte, war ich schon Teil des Teams: Emma in der Nähstube, Heinrich bei den rund 60 Kisten Herrenkleidung oder Anna, die in der Damenbekleidungs-Abteilung sortierte. Heidi mit dem charmanten Ruhrpott-Dialekt packte gerade eine Bestellung für einen der 3 Shops, die Hanseatic Help zusätzlich in Hamburg betreibt. Dort können sich Menschen mit einem Berechtigungsschein Kleidung aussuchen und wie in einem Laden shoppen, nur unentgeltlich. Und genau deshalb ist es auch so wichtig, dass die Spenden sehr ordentlich sind. Das Motto beim Sortieren lautet: Würdest Du das Teil so Deiner Freundin schenken?  Da fallen abgewetzte Kragen, Löcher im Pulli oder helle Deo-Flecken auf Blusen raus.

Auch die aussortierten Dinge leben weiter: Entweder als Stoffe für die Nähabteilung wo sie zu Babydecken, Taschen etc. verarbeitet werden.  Oder als Spende für Upcycling-Projekte. Was in Hamburg nicht verwertet werden kann, wandert in Säcken per Lkw nach Bethel in Bielefeld: Dort werden die Lieferungen erneut geprüft und aufgearbeitet und der Rest zu Nützlichem weiterverarbeitet. Am Ende kommt jedes Teil in den Kreislauf zurück.

Auf Festivals Schlafsäcke sammeln

Außer mir waren an diesem Tag sehr viele Menschen im Einsatz: Dauer-Ehrenamtler, junge Leute im Bundesfreiwilligendienst, Praktikanten, einige aus dem Wiedereingliederungsprogramm der Arbeitsagentur oder das Team einer Firma, die ihren Social Day dort verbrachten, indem sie die auf Festivals gesammelten Zelte und Schlafsäcke reinigten.

Alles läuft wie am Schnürchen. Einige Festangestellte gibt es auch – sie kümmern sich um Buchhaltung, Personalthemen, Marketing, Events, Logistik und Organisation. Rund 300 caritative Organisationen rufen fast täglich hier Hilfsgüter ab z.B. für Krisengebiete, für Erdbebenopfer oder für werdende Mütter, die nichts besitzen für ihr Baby.

Strom der Hilfsbereitschaft reißt nicht ab

Die außerordentliche Bereitschaft, sich bei Hanseatic Help zu engagieren, hält unvermindert an. Dies lässt sich nicht allein durch den Wunsch zu helfen erklären, sondern auch durch eine besondere soziale Dynamik, die innerhalb der Organisation entsteht. Menschen erfahren hier Verbundenheit durch eine sinnstiftende Tätigkeit und durch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die nicht von Wettbewerb, Herkunft, Bildung, Leistungsdruck oder Konkurrenz geprägt ist.

Das Engagement basiert auf individueller Freiheit: Ob ein, zwei oder mehrere Tage pro Woche – jede und jeder bringt sich in dem Umfang ein, der den eigenen Möglichkeiten und Bedürfnissen entspricht. Selbst lange Anfahrtswege von mehr als anderthalb Stunden stehen der Beteiligung häufig nicht entgegen, da die gemeinsame Aufgabe eine verbindende Kraft entfaltet.

Zwanglos, aber top organisiert

Im Laufe der Zeit entstehen aus dieser Form des Miteinanders auch soziale Beziehungen und Freundschaften. Für manche Menschen wird Hanseatic Help zu einem wichtigen Ort sozialer Teilhabe und Zugehörigkeit. Diese Organisation zeichnet sich durch den Verzicht auf formale Zwänge aus: Es gibt weder starren Termindruck noch verpflichtende Anwesenheiten. Kontrolle wird ersetzt durch Eigenverantwortung, gegenseitige Unterstützung und einen respektvollen Umgang miteinander. Gerade diese Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung bildet die Grundlage für das nachhaltige Engagement vieler Beteiligter.

Möchtest Du einen Betrieb kennenlernen, der ganz anders funktioniert als Du es Dir vorstellen magst? Dann geh für 1 Tag dorthin. Und nimm am besten einen selbstgebackenen Kuchen mit – alle freuen sich.

Caroline Hohmann